Zurück 19. Oktober 2018

Das Immunsystem: Unser persönlicher Superheld

Das Immunsystem schützt uns vor Krankheit und Kummer – aber wie schafft es das? Und wie können wir unsere Abwehrkräfte trainieren und stärken? Unter anderem mit gutem Essen, Freundschaft und einer Hängematte.

Wenn die Nase läuft oder ein Schnitt im Finger merklich pocht, dann ist unser Immunsystem am Werk. Auch wenn wir dies als unangenehm und lästig wahrnehmen: Es sind die Symptome eines im Hintergrund ablaufenden Prozesses, der sehr viel Schlimmeres verhindert. Denn unsere körpereigene Abwehr bewahrt uns davor, dass uns ein Schnitt in den Finger schwer erkranken lässt oder gar vergiftet; und beim Schnupfen läuft die Nase, weil sie auf diese Weise Krankheitserreger aus dem Körper abtransportiert. Ein über Jahrmillionen entwickeltes, hochkomplexes System ist da am Werk – auch wenn es sich in Form von „Rotz und Wasser“ äußert.

Was tut das Immunsystem?
Das doppelte Immunsystem
Der Aufbau des Immunsystems
Das Immunsystem stärken

Die Aufgaben des Immunsystems

Die Aufgabe unseres Immunsystems ist es, Schäden vom Körper fernzuhalten. Dies betrifft natürlich das Gewebe und die Organe, aber auch unsere Psyche. Bereits in den 70er Jahren wurde nachgewiesen, dass Gefühle sich über das Nervensystem auch auf das körperliche Immunsystem auswirken. Aktuelle Forschungen belegen auch den umgekehrten Weg: Störungen des Immunsystems können psychische Probleme auslösen. „In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist“ – dieses viele Jahrhunderte alte Sprichwort erhält auf diesem Weg neue Bestätigung.

Das doppelte Immunsystem

Eigentlich gibt es zwei Immunsysteme: Das angeborene und das erworbene. Ein angeborenes Immunsystem ist allen Lebewesen zu eigen, auch Pflanzen oder Bakterien. Das erworbene (auch: erlerntes oder adaptives) Immunsystem tritt nur bei höher entwickelten Lebensformen auf. Es ist anpassungsfähig und ermöglicht es dem Körper, auf neue Reize zu reagieren.

Die angeborene Immunantwort

Alle Lebewesen sind von der Entstehung an mit gewissen Schutzmechanismen ausgestattet, beispielsweise einer Haut, die das Eindringen von Erregern verhindert. Das ist das angeborene Immunsystem. Es wird auch „unspezifisches Immunsystem“ genannt, denn es antwortet auf jeden Reiz mit derselben Reaktion.

Ein Beispiel für eine solche Standardreaktion beim Menschen ist die Entzündung: Sie hilft bei der Abwehr von Erregern ebenso wie bei der Heilung einer Prellung. Die bekannten Entzündungssymptome wie Rötung, Schwellung, Wärme und Druckempfindlichkeit sind darauf zurückzuführen, dass vom unspezifischen Immunsystem Helfer- und Abwehrzellen sowie Flüssigkeit zum geschädigten Gewebe geschickt werden, um den Abtransport zerstörter Zellen und den Aufbau neuer Strukturen zu ermöglichen. Ob es sich dabei um die Folgen eines Unfalls handelt oder um einen Befall durch Bakterien, ist dem angeborenen Immunsystem egal.

Die erlernte Immunantwort

Das erworbene Immunsystem entwickelt sich im Laufe des Lebens als Reaktion auf Reize von außen. Es ermöglicht dem Körper, auf Krankheiten zu reagieren, Abwehrzellen zu bilden und somit Immunität gegen gewisse Erreger zu entwickeln. Aus diesem Grund erkrankt man beispielsweise an Windpocken in der Regel nur einmal im Leben. Auch Impfungen funktionieren nach diesem Prinzip. Das adaptive Immunsystem hat aber Grenzen: Es kann Erreger im Laufe des Lebens „vergessen“, vor allem, wenn diese wie bei Impfungen in abgeschwächter oder „toter“ Form gegeben wurden. Aus diesem Grund müssen manche Impfungen von Zeit zu Zeit aufgefrischt werden.

Wie setzt sich das Immunsystem zusammen?

Das Immunsystems besteht aus einer Reihe von Abwehrmechanismen. Dazu gehören physische Begrenzungen wie die Haut, außerdem bestimmte Organe, die darin produzierten Abwehrzellen und die Transportwege, die diese für ihre Aufgaben brauchen.

Körperliche Barrieren

Die offensichtlichste Grenze ist die Haut, die verhindert, dass Verunreinigungen in den Körper eindringen können. Schweiß und Talg erschweren die Ansiedlung von Krankheitserregern auf ihr. An Schleimhäuten bleiben diese im wahrsten Sinne des Wortes kleben und können abtransportiert werden – beispielsweise von den Nasenhaaren oder den Flimmerhärchen in der Lunge. Auch die Magensäure stellt eine Grenze für Mikroorganismen dar. Unser ganzer Körper ist durchdrungen von Schutz- und Abwehrmechanismen – all dies ist bereits Teil des Immunsystems.

Zellen und Organe

Die Milz, der Blinddarm, das Knochenmark und viele weitere Stellen im Körper produzieren bei Bedarf oder auf Vorrat Immunzellen. Diese Abwehrzellen erfüllen verschiedenartige komplexe Aufgaben: Bestimmte Zellen beispielsweise klammern sich an eingedrungene Erreger und markieren sie auf diese Weise, so dass andere Zellen sie zerstören oder entsorgen können. Zellen, die zum spezifischen Teil des Immunsystems gehören, produzieren selbst Antikörper gegen neuartige Gefahren. Wie diese aufgebaut sind und bekämpft werden können, haben sie zuvor von Fresszellen gelernt, welche die Eindringlinge verschlungen haben. Die Entsorgung der abgewehrten Angreifer erfolgt unter anderem über das Lymphsystem, das den ganzen Körper durchzieht und ausschließlich dem Abwehrsystem als Transportweg dient.

Das Immunsystem stärken

Eine gesunde Abwehr ist auf die ausreichende Versorgung mit den richtigen Nährstoffen angewiesen. Aber auch andere Faktoren spielen eine Rolle für die reibungslose Funktion des Immunsystems.

Ernährung

Eine ausgewogene Ernährung ist das A und O für ein gesundes Immunsystem. Wichtig ist vor allem die ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen – Obst und Gemüse gehören also auf jeden Fall auf den Speiseplan. Eisen, Zink, Selen und Jod sind für das Immunsystem wichtige Mineralstoffe, die in verschiedenen Lebensmitteln enthalten sind. Außerdem sollte man viel trinken, da dies bei der Beseitigung von Schadstoffen hilft.

Bewegung

Regelmäßige Bewegung stärkt die Abwehrkräfte. Der gesamte Stoffwechsel wird angeregt, und Nährstoffe werden durch den Körper transportiert. Ausreichend und ausdauernd, das sind die Stichworte – übertriebene Höchstleistung sollte nicht das Ziel sein, sondern kann sogar schaden. Als besonders geeignet gilt „sanfter“ Ausdauersport: Radfahren, Joggen, Wandern, Schwimmen.

Sonne

Sonnenlicht ermöglicht dem Körper die Produktion von Vitamin D. Neben vielen anderen Aufgaben erfüllt Vitamin D auch für das Immunsystem eine wichtige Funktion. Bestimmte Abwehrzellen auf der Haut werden durch Vitamin D zur Produktion antibakterieller Stoffe angeregt und verhindern so das Eindringen von Erregern.

Entspannung und Lebensfreude

Das wechselseitige Zusammenspiel von Immunsystem und Psyche ist ein relativ neues Forschungsgebiet. Aktuell dreht es sich dabei vor allem um die Frage, ob das Immunsystem die Psyche beeinflussen kann, ob also beispielsweise ein schwaches Immunsystem Depressionen fördert.

Dass andersherum Emotionen das Immunsystem schwächen oder stärken können, ist hingegen vielfach untersucht und belegt. Dauerhafter Stress schwächt das Immunsystem – Entspannung ist nachweislich eine wirksame Methode, um das Immunsystem zu unterstützen. Optimismus kann Heilungsprozesse unterstützen und die Erregerabwehr stärken. Auch die Rolle sozialer Bindungen ist belegt: Menschen mit einem guten sozialen Netzwerk haben nachweislich mehr Abwehrzellen im Körper.

Wenn Sie Ihrem Immunsystem also etwas richtig Gutes tun wollen, spazieren Sie mit Freunden und Familie zu einem guten, abwechslungsreichen Essen und legen Sie sich anschließend in die Hängematte. Was tut man nicht alles für die Gesundheit!

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